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Unmosqued: Bemosqued : Remosqued :

Salam Alaikum,

Vor kurzem hatte ich die Möglichkeit mir den Film Unmosqued anzuschauen. In einem vorherigen Post, hatte ich den Trailer dazu und meine ersten Eindrücke gepostet. Die waren damals, soweit ich mich erinnern kann, etwas gemischt und durcheinander. Ich wusste ehrlich gesagt nicht wirklich, was ich darüber denken sollte. War dennoch begeistert, dass es Themen anspricht unter denen wir als Muslimische Community, wo auch immer wir uns befinden, leiden. Der Film basiert daher auf Amerikanischen Verhältnissen, doch die gleichen Probleme herrschen auch hier in England und wahrscheinlich auch in Deutschland.

Die About Seite der Webseite des Dokumentarfilms sagt über den Film: „UnMosqued ist ein Dokumentarfilm, der beabsichtigt die wachsende Notwendigkeit von Reformen in vielen Moscheen in Amerika hervorzuheben. Der Zweck der Dokumentation ist es, eine Gruppe von Menschen zu engagieren, die mit ihrer örtlichen Moschee nicht mehr verbunden sind, und die verschiedenen Gründe die dazu führten dass sie dieser Ansicht sind, zu erörtern.

Die Verbundenheit zur Moschee war mir immer sehr wichtig und dies hat viel mit meiner Erziehung durch meine Eltern und den wunderbaren Menschen die auch einen Teil dazu beitrugen, insbesondere die Onkel und Tanten in meiner Kindheit. So habe ich auch jetzt noch ein gutes Verhältnis zur Moschee, egal ob ich der einzige Afrikaner bin, ob ich die Khutba verstehe oder nicht, sei die nun in Arabisch, Türkisch, Bosnisch oder Urdu.

Es ist wohl wahr, dass die Moscheen, die mich immer wieder anziehen, die sind die eine hohe Anzahl von Menschen verschiedener Nationalitäten hat. Die Offenheit ausstrahlt und doch ein ruhiger Platz ist um meinen Iman zu stärken. Vor allem aber eine gute Community drum herum hat und vielleicht bin ich von der Moschee in der ich mehr oder weniger aufgewachsen bin verwöhnt, aber mir fehlt sowas in den Moscheen hier. Ich erinnere mich als der Verein, dessen Mitglied meine Eltern waren, umgezogen ist und dann ihre eigenen Wände bekommen hat. Nun eine selbstständige Moschee, okay mit einem Partner Verein aber trotzdem. Ich erinnere mich an die vielen Picknicke die einmal im Monat stattfanden, die Zeltlager, die Feiern, die Familie. Meine Großfamilie.

So ist es traurig zusehen, dass wenn ich in manchen Moscheen bin, ich oft der einzige unter 30 bin und dies sage ich nicht um damit irgendwie anzugeben. Dass wenn es Jumuah ist man keinen Platz findet und selbst draußen auf den Planen kein Platz ist, aber an den restlichen Tagen man nicht 4 Reihen füllen kann. Der Film gibt da einige Gründe wieder, wieso dies so seien könnte. Ein besonderer Grund, die fehlende Inklusion der Frauen, die Zweitklassige Behandlung unserer Schwester, die nicht vom Islam ist.

Khutbas sind dem Leben der Zuhörenden oft nicht angepasst, auch werden Imame zu meist aus dem Ausland gesourced und können oft nicht die hiesige Sprache flüssig sprechen. So ist es oft ein Schmaus wenn man den Imam versteht, egal worüber er spricht. Oft sind diese auch noch Wiederholungen, so dass es nicht abnormal ist, eine Handvoll von Leuten schlafend zu sehen. Unsere Community und Moscheen sprechen nicht die wichtigen Sachen an und verlieren sich in kleinen Sachen die Streit entfachen.

Konvertiten sind nach der Konvertierung oft auf sich allein gestellt. Moscheen legen keine Wichtigkeit auf Programme besonders für Konvertiten.  Viele Konvertiten und auch Muslime verlieren den Islam, weil sie keinen Anschluss finden. Meistens ist es nicht, dass sie auf einmal nicht mehr an Gott glauben oder an den Propheten (saw.), ihr Glauben ist nicht das Problem. Das Problem ist da die Gemeinde, die sie alleine lässt. Natürlich gibt es Nuancen in vielen Sachen die im Film besprochen wurden und dass ist eine Kritik die ich an dem Film habe, es gibt nicht viele andere Meinungen die dargestellt werden.

Ich bin nicht mit allem zufrieden, aber dieser Film ist ein ehrlicher Anfang. #Unmosqued hat eine Diskussion entfacht, die die Community braucht. Dies muss aber am Leben gehalten werden, es müssen Lösungen gesucht werden. Einfach einen Film über unsere Probleme drehen ist schön und gut. Es bringt aber nichts allein und so fand ich es ziemlich gut das Tariq El Messidi und seine Gruppe ein Part im Film hatte wenn wir etwas ändern möchten, Unmosqued zu sein wird da nicht helfen. Wir müssen aktiv sein und so freue ich mich dass die Leute von Unmosqued planen sich mit ISPU zusammen zu setzen um eine Studie zu den Best Practices herauszuarbeiten.

Insgesamt fand ich den Film Augen öffnend und wichtig, aber auch ziemlich deprimierend. Ich wünschte mir er wäre irgendwie inspirierend. Als Ich es mir zum Ersten Mal angesehen hatte fühlte ich mich, als ob ich die ganze Zeit meinen Atem anhalte, und darauf warte endlich Luft zu nehmen. So ist mein Eindruck im großen und ganzen gleich geblieben. Durcheinander, nicht wissend was ich jetzt tun soll, was getan werden muss.

Da sind die Wörter am Ende von Ustadh Nouman Ali Khan irgendwie rettend. „Sei kein Konsument. Du wirst immer enttäuscht sein, so lange  wir das Konsumenten Bewusstsein haben: „Ich bin da gewesen und meine Kundendienst Bewertung ist 1 Stern, ein halber Stern.” Denkst du immer noch nicht als Mitwirkender und du wirst Enttäuscht sein. Menschen werden dich immer enttäuschen, aber wenn du rein gehst um Allahs Willen, für die Zukunft, sagend: „Ich hatte eine schlechte Erfahrung, ich will nicht das andere dass gleiche erfahren”. Dies wäre dann ein Selbstloser Beweggrund.

Ich wünsche mir, dass alle sich in der Moschee wohl fühlen können. Dass die Moschee der Kern, das Herz unserer Community ist, so wie es in meiner Kindheit war. Dass die Jugend, Kinder und Eltern, Singles und Paare ein Platz finden wo sie komfortabel sind, wo sie zu Hause sind, wo sie lachen, spielen, lernen und altern.  Ich liebe die Moschee und will nicht, dass ich der Einzige bin. Was denkt ihr? Habt ihr den Film gesehen?

Wa Salam,

Abdur-Rahman

 

Über die Liebe und ihrer Defintionen

Salam Alaikum,

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Das Binärsystem könnte schon bald eine neue liebes Sprache werden, in unserer Technologisch fortgeschrittenen Welt. Unsere Smartphones werden öfters gestreichelt als unsere Kinder oder unsere Tiere. Familien sitzen längst nicht mehr nur noch vor dem Fernsehr um Zeit miteinander zu verbringen sondern vor mobilen Bildschirmen, von denen jeder in der Familie mindestens eins hat, auch der 3-Jährige, der mit dem IPad besser umgehen kann als sein Großvater.

Die Welt ist kälter geworden, es fehlt an Mitgefühl, Liebe. Haben die Zahlen 1 und 0 unsere Welt erobert, sei es nun auf dem Bildschirm oder auf unseren Geldscheinen. Al-Miqdam ibn Ma’dikarib berichtete dass der Prophet saw. gesagt hat: „Wenn ein Mann seinen Bruder liebt, sollte er ihm sagen, dass er ihn liebt.” [Sahih, Abu Dawud]

Wann haben wir zum letzten mal unseren Mitmenschen gesagt oder gezeigt dass wir sie schätzen, geschweige denn unseren Eltern, Kinder oder Geschwister, dass wir sie lieben? Diesen Monat werde ich mich daher dem Thema der Liebe hinwenden. Es wird sich darum drehen, mehr liebevoll zu sein und werden. Es geht hier allerdings und  dass will ich nochmal betonen nicht speziell um die Liebe im romantischem Sinn, sondern vielmehr zu der der Menschheit gegenüber. Sowie Reehab Ramadan dies in ihrem Beitrag Love it’s what’s missing  vermisst, vermisse ich auch es in unserem Alltäglichen Leben und Verhalten.  Wie sie, frage ich mich auch warum die einzige Art der Liebe die anscheinend jeden Tag  annonciert wird, die der romantischen und sexuellen ist. Wieso Liebe und Mitgefühl für die Menschheit nicht im Mittelpunkt steht. Ist es so weil es einfacher zu lieben ist, wenn für einen auch etwas raus springt? So wie es bei der romantischen art der Liebe der Fall ist. Wenn was einen verbindet, sowie Blut oder Kameradschaft? Was ist dann  mit den Menschen die wir nicht kennen, die Meilen weit entfernt von uns sind. Die anders sind, anders aussehen, anders leben, anders glauben und  anders denken? Sind diese uns egal?

So will ich in diesem und den nächsten Beiträgen, so Gott will, darauf eingehen, was Liebe eigentlich bedeutet linguistisch gesehen. Dann  werde ich darauf eingehen wieso es uns gut liegt Allah lieben zu lernen. In einem weiteren Beitrag werde ein bisschen darauf eingehen, was ich persönlich an dieser Religion so liebe. Die Liebe zur Familie insbesondere der Mutter wird, so Gott will, weiterer Bestandteil eines Posts sein und letztens die Liebe zur Gemeinschaft und Menschheit allgemein.

Liebe, strikt nach dem Duden ist:

  • ein starkes Gefühl des Hingezogenseins; starke, im Gefühl begründete Zuneigung zu einem [nahestehenden] Menschen
  • auf starker körperlicher, geistiger, seelischer Anziehung beruhende Bindung an einen bestimmten Menschen [des anderen Geschlechts], verbunden mit dem Wunsch nach Zusammensein, Hingabe o. Ä.
  • sexueller Kontakt, Verkehr
  • gefühlsbetonte Beziehung zu einer Sache, Idee o. Ä. in »mit Liebe«
  • Gefälligkeit; freundschaftlicher Dienst
  • (umgangssprachlich) geliebter Mensch

Das Wort Liebe ist von dem Ur-indogermanischem Wort fürs Genießen und Ersehnen abgeleitet. Im Alt-Hoch Deutsch kommen die Bedeutungen Glück, Gesundheitlich, Annehmlich und Freude dazu. Im Arabischen gibt es, wie so oft, viele Wörter die mit der Liebe und Art der Liebe zu tun haben. Hubb und Mawaddah sind zwei bekannte Wörter, die auch im Quran vorkommen. Unter anderem gibt es aber auch die Wörter Ishq, welches mit der Leidenschaft zu tun hat. Shaghaf auch, aber dies ist liebe die einen konsumiert, dessen adjektiv Form als verknallt sein übersetzt werden kann. Shaghaf ist aber auch eine Herz Krankheit. Dieses Wort kommt auch im Quran vor und beschrieb die Liebe, die die Frau von Al-Aziz zu Joseph (Yusuf as.) fühlte. Hawa ist mehr oder weniger Liebe, die dir die Füße weg fegt und Walah ist Liebe die einen verrückt macht. Es gibt etliche mehr und da meint man Französisch wäre die Sprache der Liebe.

Wa Salam,

Abdur-Rahman

 

Wo sind die Muslimischen Männer?

Bismillahi Rahmani Rahim,

Salam Alaikum,

Disclaimer:  Dieser Text ist Teil meiner Sicht auf den Muslimischen Heiratsmarkt wie er von Kübra Gümüşay und ihrem Mann in ihren Texten auf einfremdwoerterbuch beschrieben und dort und anderswo diskutiert wurde. Meine Sicht der Lage wird sich sicherlich mit der Zeit ändern, zumal ich selbst noch nicht aktiv suche und vergleichsweise etwas jung bin mit meinen 20 Jahren. Dieser Text spiegelt meine eigene Meinung wie ich sie in diesem Moment habe und wie Imam Abu Hanifah rah. zu seinem Studenten Abu Yusuf rah. sagte, es kann sein „dass ich heute eine Meinung vertrete und sie morgen verwerfe, oder ich vertrete morgen eine andere Meinung und weise sie am folgenden Tag wieder zurück. “ Zum Schluss will ich betonen, dass ich im Gegensatz zu Imam Abu Hanifah rah. kein Islamischer Gelehrter bin, ihm im Gegensatz ein Plankton im Ozean bin. Noch bin ich ein Soziologe, Psychologe oder ähnliches, deswegen nehmt dass was ich sage mit einer Prise Salz.

Viel bekomms. Bismillah…

Abk. : saw. (Salallahu alaihi wa Salam) Möge Allah’s Segen und Friede auf ihm sein /  ra. (Radiallahu anhu/a) Möge Allah mit ihm/ihr zufrieden sein / rah. (rahimullah) Möge Allah barmherzig mit ihm/ihr sein

Failure to launch

Das uns vorliegende Problem, so wie es in Kübra’s Tuch Kolumne damals hieß, „ist nicht dass es nicht genügend muslimische Männer gäbe. Das Problem ist vielmehr die gewünschte Mischung aus Erfolg, Identität und Religiosität“ auf dem Heiratsmarkt zu finden. Der Diskurs soll sich so nur auf praktizierende Akademiker konzentrieren, die frage die vielerorts gestellt wird ist, „wo sind die Männer?“

Als erstes, so finde ich, sollte niemand aus dieser Diskussion ausgegrenzt werden. Was bei einem Erfolg ist muss nicht bei dem anderen auch erfolg sein, so ist es auch mit allen anderen Kriterien die wir vielleicht haben mögen. Akademiker oder nicht, mann muss nicht studieren um gebildet zu sein.

Zweitens, Ad-Deenu An-Naseeha.

Tameem ad-Dari ra. sagte: „Der Prophet saw. hat dreimal gesagt , “die Religion ist Naseeha.” (ein ehrlicher/aufrichtiger Ratschlag) Wir fragten, “Zu wem?” Er sagte, “Zu Allah, seinem Buch, seinem Gesandten, und zu den Führern der Muslime und der Allgemeinheit.”“ Nach An-Nawawi rah. bedeutet letzteres unter anderem, sie zu dem was für sie segensreich ist zu führen, in diesem so wie im nächsten Leben. Ihnen durch Worte und Handlungen dabei zu verhelfen. Ihnen mit Sanftheit, Aufrichtigkeit und Mitgefühl das Gute zu gebieten und das Schlechte zu verbieten.

[Sharh Sahih Muslim 2138]

Ich finde es also wichtig, dass wenn wir so viele vermeintlich nicht praktizierende Muslime haben, wir ihnen in ihrem und unserem Interesse, dabei verhelfen in welcher Weise auch immer, praktizierender zu werden. Ich bin also dagegen sie völlig aus der Konversation auszuschließen. Vielmehr sollten wir nach Gründen suchen wieso Islamische Veranstaltungen von hauptsächlich Frauen besucht werden. Ansätze zu finden dieses Problem in unseren Communities zu lösen, gerade weil dies automatisch auch den “Pool an praktizierenden Brüdern” wachsen lässt.

So möchte ich zuerst mögliche Gründe benennen, die dazu führen könnten, dass diese Goldene Mitte unter Männern vermeintlich oder offensichtlich nicht weit verbreitet ist.

In seinem Buch Boys adrift, macht Dr. Leonard Sax 5 Faktoren aus, die generell Jungs zur failure to launch , zu einem Fehlstart verleiten. Als erstes nennt er die Veränderungen im Bildungssystem, speziell in Amerika aber ich denke es hält auch ganz gut bei uns, ob in England oder Deutschland. Als zweites nennt er Video Spiele, als drittes Medikationen gegen ADHS sowie auch die Fehldiagnosen und das nicht Erkennen der unterliegenden Gründe für bestimmte Verhalten, Depression zum Beispiel. Als viertes nannte Dr. Sax Endokrine Disruptoren (Hormonelle Störungen) in Plastiken die in unser Gewässer und Essen landen und als letztes benennt er den Verlust an Positiven Vorbildern für Kinder.

Man mag sich jetzt fragen, wieso nenne ich Faktoren, die scheinbar nichts mit der Ehe oder mit unseren Verhältnissen zu tun haben. Ich denke unser Problem sitzt tiefer, unser Problem ist in unserer Kindheit gekeimt. Sei es nun, dass wir nicht Partner auf der gleichen Intelligenz-welle finden oder die gewünschte Religiosität, den Charakter etc. haben. Vieles dieser Eigenschaften werden im Kindesalter entweder erdrosselt oder gedeihen. Die genannten Faktoren so meint Dr. Sax, verleiten Jungs und Männer dazu an Motivation zu verlieren. So das Erwachsene Männer im  Hotel Mama wohnen, keine Ambitionen haben und lieber Call of Duty spielen, als arbeiten zu gehen.

 Wir als Muslime oder Migranten nter Generation, haben dazu natürlich noch andere Probleme. Die offensichtliche und verdeckte Diskriminierung die viele erleben sei es aufgrund eines fremdklingenden Namens, des Aussehens etc. Unser Bildungssystem hat besonders Migranten im Stich gelassen. Das Portrait des Islams und “der Ausländer” in den Medien, jeder von uns kann sicher ein Lied davon singen.  Das Resultat  ist eine Identitätskrise. Was bedeutet es für mich als Muslim, Deutscher, als Jugendlicher, als Mann in diesem Land, wo auch immer ich zurzeit bin, zu leben?

Mann sein, Galant sein, stets Vorbild sein.

Vorbilder versorgen das gemeinsame Selbstbewusstsein.

Mit Bildern gemahlt aus langjähriger Erfahrung.

In dieser veränderten Welt  BILDet sich jeder seine eigene Meinung.

Das Ich regiert und das Wir verliert, so setzen wir uns ein, einfach Mensch zu sein.

Mann sein 

Was bedeutet dies in einer emanzipierten, feministisch geprägten Welt? Gibt es überhaupt noch klare Rollenverteilungen oder sind sie alle political incorrect? Kann man(n) Mann sein, Gentleman sein, Galant sein etc. ohne irgendwie als Misogyn abgestempelt zu werden? Ist der Mann der Versorger und Beschützer der Familie? Und was ist wenn er es nicht ist, oder nicht sein kann? Was bedeutet es heute ein Muslimischer Mann zu sein? Was ist unsere Vorstellung der Rechte und der Pflichten eines Muslimischen Mannes?

Dies sind alles Fragen, die uns in diesem Diskurs unter anderem auch beschäftigen sollten, diese werden denke ich auch wichtige Fragen in der Kennenlernphase sein.

In einer Freitagsansprache spricht Scheikh Suhaib Webb über das Verloren gehen der Muru’ah, der „Ritterlichkeit“ oder des Galant seins, wenn man so will. Anlass dazu war die Aussage einiger Sportler, “Männer weinen nicht”, nachdem LeBron James wegen einem verlorenen Basketballspiel in Tränen ausgebrochen war. Suhaib Webb, so erzählte er, musste sofort an den Propheten saw. denken. Hatte er nicht geweint? Von der Frucht vor Allah swt. oder als sein Sohn Ibrahim gestorben ist und in vielen weiteren Instanzen. Ist er nicht der Ausdruck der Männlichkeit? Als derjenige der gesandt wurde um unseren Charakter zu vervollständigen. Der Scheikh meinte, dass die Gefährten des Propheten saw. nicht danach richteten, dass ein Mann weinte, sondern worüber er dies tat.

Muslimische Männer so sagte der Imam, sind im ständigen Kontakt mit ihren Gefühlen. Haben Kontrolle über diese und sind nicht weniger Mann wenn sie diese zeigen. Ihre Liebe für ihre Familie und seinen Studenten zeigend, sind besonders meine Arabisch Lehrer mir da ein Vorbild.

In einer Überlieferung fragte Umar ra. einige um sich herum was sie sich wünschten würden. Einer antwortete ich wünsche mir ein Haus voller Gold, so dass ich diesen auf dem Wege Allah’s ausgeben kann, ein anderer sagte ich würde mir etwas besseres  wünschen. Worauf sie ihn danach fragten. Er antwortete, ein Haus voller Perlen, so dass ich diese auf dem Wege Allah’s ausgeben kann.  Schließlich fragte man Umar ra. was er sich wünschen würde. Er antwortete, ein Haus voller Männer, die der Qualität und dem Charakter Abu Ubaidah’s ra. entsprechen. Diese Überlieferung zeigt uns, wie wichtig es ist Vorbilder zu haben, das der Islam besonderen Wert auf Charakterbildung legt, immer, egal wie alt man ist.

Über Abu Ubaidah ibn Jarrah ra. hat der Prophet saw. gesagt „Jede Nation hat einen Treuhänder und der Treuhänder meiner Ummah (Nation) ist Abu Ubaidah.“

Nach Dr. Sax müssen Männer durch Imitation anderer Männer lernen, Gentlemanly zu werden, sie werden es nicht automatisch. Wir aber kennen die Männer in unserer Geschichte nicht, und noch weniger kennen wir die Frauen unserer großartigen Geschichte. Noch haben wir viele Vorbilder die die in den kritischen Jahren eines Mannes da sind.

Im Arabischen ist Rajul das Wort für Mann, es wurde auch als Lob benutzt, so wurden Frauen, wie Aisha ra. als rajulah bezeichnet. Das Wort dhakar dagegen steht für das männliche Geschlecht. Viele heute so denke ich sind dhakar, aber nicht Rajul. Sie sind vom Geschlecht her männlich, aber nicht Männer und ich rede hier nicht, vom Interesse an Fußball oder Autos oder vom Stark oder Schwach sein im Körperlichen Sinne.

 “Nicht derjenige ist stark, der den Gegner zu Boden schlägt, sondern derjenige, der sich nicht gehen lässt, wenn er gereizt wird.” (Al- Bukhari und Muslim)

Die Proliferation eines Negativen Maskulinismus, des “Hart” und “Cool” seins, des Arrogant seins, der Aggressivität und Gewaltbereitschaft, durch unser Umfeld, dem Fernsehen und Hollywood ist, nach Ustad (Lehrer) Alyas Karmani, eines der Ursachen für Gewaltakte, besonders Sexueller Gewalt, in unseren Communities.

Es ist in unserer Verantwortung Jungs und jugendliche zu Männern heranwachsen zu lassen. Institutionen zu bilden wo wir voneinander lernen können, unsere Freizeit bilden können, lernen Verantwortung zu übernehmen. Lernen Männer zu sein.

Als Männer müssen wir endlich unseren Mann stehen, in vielen Familien ist die Frau heute diejenige die Arbeiten geht, die Rechnungen bezahlt, einkaufen geht,sich dazu noch um die Kinder kümmert und den Haushalt auf Trap hält, während wir die Füße hochlegen. Wo ist da unser Anstand?

Auf einer Waage stehe ich nun, meine Taten entscheiden nun.

Mein großes Maul stumm, keinen Mucks kriege ich heraus.

Den Mumm hatte ich in diesem Leben,

nichts habe ich mir verbieten lassen, ich dummes Huhn!

Fix wie ne Maus kam es aus mir heraus.

Der Iman in meinem Herzen,

in dem gläsernen Gefäß, beschmutzt mit Staub und Schlamm

mit Öl und meinen Taten. Es wartet auf den Moment. Licht über Licht. 

Religiosität

Schließlich will ich in diesem Post noch kurz auf die Religiosität eingehen mit Bezugnahme der Dichotomie die im Artikel, von einer Leserin, erwähnt wurde, dass Männer entweder ihren Glauben in die Tonne schmeißen oder den ” superstrengen Heiligen” spielen. 

Als erstes glaube ich, dass Kübra recht hat wenn sie sagt, dass das Kopftuch bei Frauen zur Identitätsfindung eine große Rolle spielt. Wir als Männer können uns nur durch einen Kufi und dass tragen die wenigsten, in England wirst du aber doch schon einige finden, oder durch den Bart als Muslime äußerlich auszeichnen. Ob man damit den Propheten saw. befolgen will oder es bei den einzelnen ein Fashion Statement ist lasse ich dahin gestellt. Wie ich höre ist es zurzeit In. #BeardGang

Nouman Ali Khan macht den Punkt, dass das Kopftuch Frauen in einer Sure ordiniert wurde, die in ihrem Herzen den Lichtvers beinhaltet. Der Ausdruck von Iman (Glaube) im Quran, demnach sind Normen in dieser Sure ein Weg seinen Iman zu sichern und zu steigern.

Frauen haben indes also einen Vorteil, der nach Sheikh Hamza Yusuf dadurch beglichen werden sollte, dass der Mann Geld für seine Familie ausgibt, so wie Zakah eine Reinigung für das Geld ist. Meiner Meinung nach und Myriam Francois Cerrah hat dies auch mal (“sarkastisch”) erwähnt, können wir viel von dem Jihad der Schwangerschaft der Frau in Sachen Rahma (Barmherzigkeit), Empathie, durchhalte Vermögen etc. lernen. Spirituell haben Frauen einen Vorsprung, wenn es z.B um das Weinen geht, empfiehlt der Prophet saw., dass wenn wir es nicht können es zu faken.

Wir übersetzen Iman oft als Glauben, es beinhaltet weit aus mehr als dies. Yaqeen, 100 prozentige Gewissheit, ist teil des Imans. Im Islam unterscheiden wir zwischen Islam, Iman und Ihsan. Wenn jemand in den Islam eintritt bedeutet dies nicht, dass er auch die süße des Imans gefunden hat. Wenn jemand nun seinen Islam durch die fünf Säulen und seinen Iman der über 70 teile beinhaltet perfektioniert, dann erlangt man Ihsan, Exzellenz. 

Ustad Nouman unterscheidet auch zwischen Logischen Iman und Realen Iman. Der logische ändert sich nicht, mit der Shahada ist er da, der Reale aber schwankt. Er differenziert auch im Realen Iman zwischen dem Spirituellen und Intellektuellen Iman. Wenn der Spirituelle zu sehr schwankt, kann dies zu einer Schwankung im Intellektuellen Iman werden. Der Glauben wird dann komplett hinterfragt.

Jetzt zu unserem Problem, es ist für uns Männer wie schon gesagt wurde leichter unterzutauchen. Die Änderung unserer Namen ist ein Teil davon von Mohammed oder Mehmet zu Momo, von Bilal zu Billy usw. Wir wurden nicht so unter Druck gesetzt und mit unserer Religion konfrontiert wie unsere Schwestern es wurden. Dies ist die Antithese im Glauben zu unseren Konvertiten. Diese würden manchmal alles tun um als Muslime erkannt zu werden, man denke an Umar ra.

So gibt es viele Brüder, die sich als Muslime identifizieren aber nicht beten, nicht fasten und mit den normativen Praktiken eines Muslims nicht viel am Hut haben.

Als Teil der Islamic Society an meiner Universität, beobachte ich mit bedauern immer wieder, von Event zu Event wie sich das Verhältnis von Männer und Frauen im Publikum verhält. Vom Komitee bis hin zu den Zuhörern egal was wir auch tun, Frauen sind meistens in der Mehrheit.

 Es gibt diejenigen die sich mit den Arbeiten des neuen Atheismus befassen, nicht genügend Wissen haben um dem etwas entgegenzusetzen und an ihrem Glauben zweifeln. Es gibt diejenigen die über den Islam nichts anderes wissen, als dass alles Haram ist.

Wenn sie dem Islam dann wieder näher kommen, kann es vorkommen, dass ihre Umgebung diese Veränderung negativ wahrnimmt. Besonders dann, wenn sie nicht das nötige Benehmen (Adab) an den Tag legen, wenn sie andere “belehren”.

Trotzdem finde ich es unsinnig zu sagen, dass es nur das Eine oder Andere extrem gibt. Ja es stimmt, wir haben ein Problem, in unserer Gesellschaft, mit der Religiosität. Wir sind weit vom Ideal abgekommen. Ich denke aber es hat mehr damit zu tun, dass wir unser gutes Benehmen verloren haben, als dass wir unsere Religiosität verloren haben. Adab und Islam gehen Hand in Hand. In vielen Instanzen verlassen Muslime nicht speziell den Islam, sondern die Muslime.

Es ist nicht ohne Grund das Gelehrte besonderen wert darauf legen, oder dass die Mutter von Imam Malik rah. zu ihm sagte, als er zu seinem ersten Sheikh ging: “Erlerne sein Benehmen bevor du von seinem Wissen lernst.”

Es gibt durchaus diejenigen, die die Anstrengung machen Leute der Mitte zu sein. Ausgewogen zu sein, gutes Benehmen an den Tag zu legen, ihre Religion ernst nehmen, danach streben so erfolgreich wie möglich in ihrem Fach zu sein und eine Bereicherung für unsere Mitmenschen zu sein. Dies ist für mich was es bedeutet ein Muslim zu sein in unserer heutigen Welt.

Abschließend, in Gesprächen mit meinen Kommilitonen an der Universität und meinen eigenen Beobachtungen hier in England, scheint es hier einfacher zu sein praktizierende muslimische Akademiker zu treffen. Mich würde also interessieren was hier anders ist, hat dies vielleicht mit Eltern zu tun, die ihre Kinder dazu drängen herausragend in akademischen Leistungen zu sein? Hat es mit der relativen Akzeptabilität des Islams und der Muslime zu tun?

Es ist denke ich wichtig nochmal zu betonen, dass es die goldene Mitte unter Männern gibt und inshaAllah immer geben wird. In der Heiratssuche kommt es meiner Meinung darauf an, wo man hinschaut, worauf man Wert liegt und in wieweit beide Seiten bereit sind Kompromisse einzugehen.

End of Part One

Wa Salam,

Abdur-Rahman